Merkmale:

Die Kartoffel (Solanum tuberosum) zählt botanisch zu den Nachtschattengewächsen. Ihr Name ist abgeleitet von dem italienischen Wort „tartufolo“ = unterirdische Trüffel.
Sie ist eine buschige Staude von 30 bis 50 cm Höhe. Die Blütenblätter, die je nach Art von Juni bis August sichtbar werden, sind weiß oder violett.
Die eigentlichen Früchte sind kleine grüne, nicht genießbare Beeren, die oberirdisch an der Staude wachsen. Die nutzbaren Teile sind unterirdische Sprossknollen, die sich am Ende von unterirdischen Seitentrieben (Stolonen) bilden.

Herkunft:

Die Ursprungsregion der Kartoffel liegt in den südamerikanischen Anden. Der älteste Fund ist datiert auf die Zeit zwischen 750 und 100 v. Chr. Die Kartoffelzucht und den planmäßigen Anbau betrieben die Inka ab 400 n.Chr.
Zwischen 1540 und 1565 gelangte die Kartoffel auf die iberische Halbinsel, wo ihr Anbau in kleinem Umfang begann. In Preußen verhalfen Friedrich der Große und Wilhelm der I. der Kartoffel zum Durchbruch als Grundnahrungsmittel. Allerdings stieß die Kartoffel bei der Bevölkerung zunächst auf Ablehnung, da die wenigen Knollen sehr unansehnlich waren und die übliche Dreifelderwirtschaft abgeändert werden musste.
Doch schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts hatte sich die Kartoffel als Grundnahrungsmittel etabliert. Daher führte ab 1845 das Auftreten einer Pilzerkrankung (die Kraut- und Knollenfäule) in vielen Gegenden Europas zu großen Hungersnöten.

Anbau:

Die Kartoffel wächst an nahezu allen Standorten, bevorzugt jedoch lockeren Untergrund ohne Staunässe. Ab Temperaturen von 8 °C können die Knollen ins Freie gesetzt werden, was in der Regel im April geschieht. In einigen Regionen werden die Kartoffeln, von Flies oder Folie geschützt, aber auch deutlich früher gesetzt.
Aus den ruhenden Knospen (Augen) der Pflanzkartoffel bilden sich Seitentriebe (Stolone), an deren Enden sich die Knollen ausbilden. Der Anbau in Dämmen ermöglicht eine bessere Wasser- und Nährstoffversorgung. Die Unkrautbekämpfung erfolgt mechanisch durch das wiederholte Anhäufeln der Dämme. Pilze und tierische Schädlinge (Kartoffelkäfer) werden durch chemische Mittel bekämpft.
Die Ernte erfolgt im August oder September, bei Frühkartoffeln oft schon im Juni oder Juli. Zur Ernte, die mit Kartoffelrodern erfolgt, sind die oberirdischen Teile bereits abgestorben. Geerntet werden lediglich die unterirdischen Knollen, da alle grünen Bestandteile der Pflanze giftig sind. Die Anbauschwerpunkte in Deutschtand liegen in Niedersachsen, Bayern und Nordrhein-Westfalen.

Nutzung:

Pro Flächeneinheit bildet die Kartoffel im Vergleich zu Getreide rund doppelt so viel an Eiweiß und Kohlenhydraten aus. Sie besteht zu 78 % aus Wasser, zu 15 % aus Stärke/Kohlenhydrate, der Rest sind Eiweiß und Ballaststoffe. Ein Großteil der Kartoffelernte gelangt inzwischen als Chips, Pommes frites, Püree oder Tiefkühlkost in den Handel.
Die Kartoffelstärke wird zu Glukose, Puddingpulver und Verdickungsmitteln für die menschliche Ernährung verarbeitet. In der Industrie dient Kartoffelstärke zur Papier- und Klebstoffherstellung, Kartoffeln werden aber auch zu Alkohol verarbeitet.
Heute liegt der Kartoffelverbrauch in Deutschland bei ca. 70 kg pro Kopf und Jahr. Es gibt mittlerweile rund 180 verschiedene Kartoffelsorten, die in drei Kategorien unterteilt sind: mehlig-mehlig, festkochend-festkochend sowie Salatsorte.